Allgemein · Bildentstehung

Wie entsteht ein Röntgenbild? Die Reise von der Röhre zum Bildschirm

Sie drücken einen Knopf und binnen Sekunden erscheint ein Bild auf dem Bildschirm. Doch was geschieht dazwischen? Wir verfolgen das in der Röhre erzeugte Röntgenphoton Schritt für Schritt: durch den Patienten, Streuung und Raster, Wechselwirkung mit dem Detektor und die Umsetzung in ein Pixel auf dem Bildschirm — mit Animationen und Quellen.

Ein Röntgenbild ist im Grunde ein Schattenspiel: Während der Strahl aus der Röhre den Patienten durchquert, absorbieren verschiedene Gewebe ihn in unterschiedlichem Maße, und das Strahlungsmuster, das den Detektor erreicht, trägt diesen „Schatten“. Die folgende Animation fasst die gesamte Reise zusammen; danach entfalten wir jeden Schritt.

RöntgenröhrePatientRasterDetektorBildschirmRöhre → Patient → Raster → Detektor → Bildschirm
Gelb: Photonen, die das Gewebe durchqueren und den Detektor erreichen · Orange: im Gewebe absorbierte Photonen (Photoeffekt) · Blau: ein vom Raster aufgefangenes Streuphoton.

1 · Röntgenstrahlen entstehen in der Röhre

Alles beginnt in der Röntgenröhre. Der heiße Glühfaden an der Kathode gibt Elektronen ab; die zwischen Kathode und Anode anliegende Spannung von 20–150 kV beschleunigt sie zur Anode.1 Treffen sie auf die Anode, wird der größte Teil ihrer kinetischen Energie zu Wärme und nur ein kleiner Bruchteil zu Röntgenstrahlung — weshalb das Wärmemanagement der Anode entscheidend ist.1

Zwei Mechanismen erzeugen Röntgenstrahlung: Bremsstrahlung (ein kontinuierliches Spektrum durch das Abbremsen von Elektronen nahe dem Atomkern) und charakteristische Strahlung (durch das Auffüllen einer Lücke in einer inneren Schale).1

Kathode (−)Anode (+)Elektronen →RöntgenstrahlWärme (Großteil der Energie)Bremsstrahlung + charakteristische Strahlung
Beschleunigte Elektronen werden an der Anode abgebremst (Bremsstrahlung) oder schlagen ein Elektron einer inneren Schale heraus (charakteristisch); der Großteil der Energie ist Wärme.

Bevor der Strahl die Röhre verlässt, wird er gefiltert: Niederenergetische Photonen, die Hautdosis hinzufügen, ohne zum Bild beizutragen, werden entfernt und der Strahl „aufgehärtet“. Der Kollimator begrenzt den Strahl anschließend auf das benötigte Feld.

2 · Durch den Patienten: hier wird das Bild „geschrieben“

Die eigentliche Information entsteht im Inneren des Patienten. Während der Strahl das Gewebe durchquert, wird er geschwächt — doch nicht jedes Gewebe schwächt gleich stark. Die Wahrscheinlichkeit der photoelektrischen Absorption ist etwa proportional zur dritten Potenz der Ordnungszahl und umgekehrt zur dritten Potenz der Energie (≈ Z³/E³).2 Daher absorbiert Knochen (Kalzium) mit hoher Ordnungszahl viel; Weichgewebe lässt den Großteil des Strahls durch. Diese differenzielle Absorption zwischen den Geweben ist die Quelle des Kontrasts.2

Diese Schwächung ist mathematisch exponentiell: Die Zahl der Photonen, die ein Gewebe der Dicke x ohne Wechselwirkung durchqueren, nimmt exponentiell von der Ausgangszahl ab (Beer-Lambert-Gesetz):

N = N0 · e−μx

Hier ist μ der lineare Schwächungskoeffizient des Gewebes — hoch im Knochen, niedrig im Weichgewebe; je größer μ, desto weniger Photonen kommen durch. Das Photonenmuster, das den Detektor erreicht, entsteht gerade deshalb, weil diese exponentielle Schwächung von Gewebe zu Gewebe verschieden ist.2

gleichförmiger StrahlKnochenWeichgewebeBildKnochen = wenigePhotonen → weißGewebe = vielePhotonen → dunkelDifferenzielle Absorption → Kontrast
Unter Knochen kommen wenige Photonen an; in der Standarddarstellung ist dieser Bereich weiß, Weichgewebe dunkel. In digitalen Systemen justiert die Fensterung dieses Erscheinungsbild.

Kurz bevor er den Detektor erreicht, trägt der Strahl ein noch nicht sichtbares Muster — das „Luftbild“. Die größte Bedrohung für dieses Muster ist der nächste Schritt: die Streuung.

3 · Streuung und das Raster

Die Compton-Streuung ist im diagnostischen Energiebereich die vorherrschende Wechselwirkung im Weichgewebe; das Photon stößt mit einem Elektron zusammen und läuft in veränderter Richtung weiter.2 Diese Streuphotonen erreichen den Detektor unter zufälligen Winkeln und legen einen Schleier über das Bild, was den Kontrast senkt. Die Streuung wächst mit Feldgröße und Patientendicke — im Abdomen weit stärker als an einer Extremität; die Einblendung auf ein kleineres Feld verringert sie.3

Das am häufigsten eingesetzte Mittel gegen Streuung ist das Streustrahlenraster: dünne Bleilamellen, die die senkrecht einfallenden Primärphotonen durchlassen und die schräg einfallenden Streuphotonen absorbieren.3

Strahl verlässt den Patientenprimär ✓gestreut ✗RasterlamellenDetektor
Senkrechte Primärphotonen passieren zwischen den Lamellen; schräge Streuphotonen treffen auf die Bleilamellen und werden absorbiert. Das Ergebnis: ein saubereres, kontrastreicheres Bild.

4 · Der Detektor: vom Strahl zum Signal

Der Strahl hat nun den Detektor erreicht — doch um die Röntgenstrahlen zu „sehen“, müssen wir sie zunächst in ein messbares Signal umwandeln. Es gibt zwei Hauptwege:3

Indirekt (CsI)Szintillator (CsI) → LichtFotodiode → LadungDexel-KondensatorDirekt (a-Se)Amorphes Selen (a-Se)Ladung ↓ (Feld)Sammelelektrode → Ladungkein Lichtschritt → schärfer
Indirekt: Röntgen → Licht → Ladung (zwei Schritte); direkt: Röntgen → Ladung (ein Schritt). In beiden Fällen wird die Ladung im Dexel gespeichert.

5 · Vom Signal zum Bildschirm

Die Detektoroberfläche ist eine Matrix aus Millionen winziger Detektorelemente — den Dexeln. Jedes Dexel besitzt einen TFT-Schalter, eine Ladungssammelelektrode und einen Speicherkondensator. Während der Belichtung sammelt jedes Dexel seine eigene Ladung; ist die Belichtung beendet, wird das Array Zeile für Zeile ausgelesen.3

Das analoge Ladungssignal durchläuft dann einen Analog-Digital-Wandler (ADC) und wird zu einer Zahl — einem Grauwert für jedes Pixel. Es folgt die Bildverarbeitung (Fensterung, Kantenanhebung), und das Ergebnis erscheint auf dem Bildschirm. Das System erzeugt zudem einen Belichtungsindex (EI), der die am Detektor ankommende Dosishöhe zurückmeldet.

TFT-Array (Dexel) — zeilenweises AuslesenDexel-MatrixADCGrauwerte +BildverarbeitungBildschirm
Das über das Array wandernde helle Band steht für das zeilenweise Auslesen. Die Ladung jeder Zeile wird im ADC digitalisiert, verarbeitet und baut das Bild auf dem Bildschirm auf.

Die ganze Kette

Der Moment, den wir salopp „Knopf drücken, Bild erscheint“ nennen, verbirgt also im Hintergrund eine straffe physikalische Kette: Erzeugung in der Röhre → Filterung/Einblendung → differenzielle Schwächung im Patienten → Streuung und Raster → Strahl-Signal-Umwandlung im Detektor → ADC und Bildverarbeitung → Bildschirm. An jedem Glied wird das Gleichgewicht zwischen Dosis und Bildqualität neu austariert — und jeden Schritt dieser Kette zu messen und zu optimieren, ist die Aufgabe der Medizinphysik.

Weitere Artikel
Für die Grundlagen von Erzeugung und Wechselwirkung: Grundlagen der Radiologiephysik. Für den Einfluss der Parameter: Belichtungsparameter. Für die resultierende Qualität: Was ist Bildqualität? Das Röntgen ist eine einzelne Projektion; wie aus den rohen Projektionsdaten (dem Sinogramm) im CT ein Schnittbild wird: Wie funktioniert die CT-Rekonstruktion?

Quellen

  1. Bushberg JT, Seibert JA, Leidholdt EM, Boone JM. The Essential Physics of Medical Imaging, 3rd ed. Lippincott Williams & Wilkins, 2011. Bölüm 6 (X-ışını üretimi, s.167; bremsstrahlung s.37; karakteristik s.32). Atıflardaki sayfa numaraları bu baskıya aittir.
  2. Bushberg JT, et al., a.g.e., Bölüm 3 — etkileşimler: fotoelektrik (≈Z³/E³, s.42), Compton saçılması (s.39) ve üstel zayıflama (N = N₀e−μx, Denklem 3-5).
  3. Bushberg JT, et al., a.g.e., Bölüm 7 — radyografi ve dedektörler: anti-saçılma grid (s.231), sintilatör/indirekt algılama (s.209), bilgisayarlı radyografi/depo fosforu (s.213), düz panel TFT dizileri ve direkt/indirekt dönüşüm (s.220–221).
Hinweis: Dieser Inhalt dient der Ausbildung; für klinische Entscheidungen oder die Einhaltung von Vorschriften konsultieren Sie eine qualifizierte Medizinphysik-Expertin bzw. einen Experten sowie die geltenden Bestimmungen.

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