Das meistgehörte und zugleich am häufigsten missverstandene Prinzip in der Radiologie ist ALARA. Viele verstehen darunter „die Dosis so niedrig wie möglich halten“; ALARA sagt jedoch etwas Feineres: die Dosis so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar halten. Das Ziel ist nicht, die Dosis auf null zu bringen, sondern jede unnötige Exposition zu vermeiden und zugleich die für die Diagnose nötige Qualität zu erhalten. Dieser Artikel erklärt, was ALARA bedeutet und wie es angewendet wird, und verknüpft unsere Artikel zu den Grundlagen des Strahlenschutzes und zu Dosis und Rauschen.
Was ist ALARA?
ALARA steht für das englische As Low As Reasonably Achievable: „so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar“. Im Strahlenschutz-Rahmen der ICRP ist dies der Name des Optimierungsprinzips.1 Die ICRP definiert drei Grundsätze: Rechtfertigung (jede Exposition muss mehr nutzen als schaden), Optimierung / ALARA (Dosen so niedrig wie vernünftigerweise erreichbar) und Dosisbegrenzung (gesetzliche Grenzwerte — nur für beruflich Exponierte und die Bevölkerung, nicht für Patienten).1 ALARA ist der mittlere Grundsatz und prägt den radiologischen Alltag stärker als jeder andere.
Das Schlüsselwort ist „vernünftigerweise“. In der ICRP-Definition werden die Dosen so niedrig gehalten, wie es unter Berücksichtigung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktoren erreichbar ist.1 Also nicht „null um jeden Preis“, sondern ein ausgewogener, gerechtfertigter Punkt zwischen dem diagnostischen Nutzen und der applizierten Dosis.
Warum 'vernünftig', nicht null?
Weil die Dosis zugleich der Rohstoff des Bildes ist. Wie in Dosis und Rauschen (√N) gezeigt, bedeuten weniger Photonen mehr Rauschen; senkt man die Dosis unter einen bestimmten Punkt, wird das Bild nicht-diagnostisch und muss wiederholt werden — eine klare Erhöhung der Dosis. Eine übertrieben „niedrige Dosis“ widerspricht also dem eigentlichen Ziel von ALARA. Das richtige Ziel ist die niedrigste Dosis, die noch eine für die Aufgabe ausreichende Qualität liefert.
Zeit, Abstand, Abschirmung
Für die Sicherheit des Personals wird ALARA mit drei klassischen Werkzeugen umgesetzt:
- Zeit: Je kürzer die im Strahlungsfeld verbrachte Zeit, desto niedriger die Dosis. Den Eingriff planen, nicht unnötig verweilen.
- Abstand: Die Dosisleistung fällt mit dem Abstandsquadratgesetz, wenn man sich von einer Punktquelle entfernt — den Abstand zu verdoppeln senkt die Dosis auf ein Viertel.
- Abschirmung: Bleischürze, Schilddrüsenschutz, Bleiglasbrille und feste Barrieren schwächen die Streustrahlung.
Diese drei werden ausführlich in Grundlagen des Strahlenschutzes behandelt. Am meisten unterschätzt wird im Alltag die Wirkung des Abstands: ein einziger Schritt zurück kann wirksamer sein als eine dicke Barriere.
ALARA für Patienten
Hier ein entscheidender Unterschied: Dosisgrenzwerte gelten nicht für Patienten.1 Die Dosis, die ein Patient erhält, richtet sich nach der klinischen Notwendigkeit, denn eine verpasste Diagnose ist ebenfalls ein Schaden. Beim Patienten wird ALARA durch zwei Dinge erreicht: Rechtfertigung (ist die Untersuchung wirklich nötig, gibt es eine Alternative?) und Optimierung (die nötige Diagnose bei niedrigster Dosis erzielen). Der Maßstab der Optimierung sind die diagnostischen Referenzwerte (DRW): das Überwachen typischer Dosen und das Hinterfragen der Ursache bei Überschreitung.2
Je nach Modalität
ALARA ist kein abstrakter Slogan, sondern der Name konkreter Einstellungen in jeder Modalität:
- CT: die Modalität mit der höchsten Dosis, hier zählt ALARA am meisten. Röhrenstrommodulation, geeignete Röhrenspannung (kVp), iterative/Deep-Learning-Rekonstruktion (FBP, IR und DLR) und Dosisindizes (CTDI, DLP, SSDE — siehe Dosis im CT) sind die Werkzeuge von ALARA.
- Röntgen: richtige kVp/mAs, Einblendung, Rasterwahl und Belichtungsautomatik (AEC); Details in Belichtungsparametern und Qualitätskontrolle in der Radiografie.
- Mammographie: Für das strahlensensible Brustgewebe wird die Dosis als mittlere Parenchymdosis (AGD) erfasst; Kompression und AEC senken sie (siehe Dosis in der Mammographie).
- Durchleuchtung/Intervention: Die kumulative Hautdosis ist das größte Risiko; gepulster Modus, Last-Image-Hold, Einblendung und Dosisleistungskontrolle sind ALARA in der Praxis (siehe Dosis in der Durchleuchtung).
Quellen
- ICRP Publication 103. The 2007 Recommendations of the International Commission on Radiological Protection. Optimizasyon ilkesi: dozlar, ekonomik ve toplumsal etkenler göz önünde tutularak makul ölçüde ulaşılabilen en düşük düzeyde tutulur. icrp.org
- IAEA. Radiation Protection and Safety of Radiation Sources: International Basic Safety Standards (GSR Part 3), 2014 — tıbbi ışınlamada optimizasyon, tanısal referans düzeyleri (DRL) ve gerekçelendirme. iaea.org
- İlişkili DoseSave yazıları: Radyasyondan Korunmanın Temelleri, Doz Neden Önemli?, Doz ve Gürültü (√N).